Susanne Fasbender zu »Du in meinem Leben oder irgendwo in ...«
[In: Sprache in Arbeit, Kunstfilmtag 2012, Düsseldorf] 

In diesem videografischen Poem von Thyra Schmidt folgt die Künstlerin einer Spur der 
beziehungsvollen und gleichzeitig fragenden, suchenden Hinwendung an einen Anderen, 
einem Du. Mit dem Blick auf ihre fotografischen Stativaufnahmen von Hausfassaden 
hört man eine Sprecherin, Thyra Schmidt selbst, deren Sätze wie »Steht still da und 
schaut dich an«, »Nebel auf der anderen Seite der Straße«, »Was ist, wenn ich irgendwo 
hingehen muss, und du es nicht verstehen wirst« einen gedanklichen Lebensraum öffnen, 
den man hinter die fremden geschlossenen, gardinenbehangenen Fenster des Wohnens 
lokalisiert. Sie schafft mit diesem nachdenklichen Video und ihrer sinnenden Stimme und 
Sprechweise, die natürlich das Um und Auf des Gelingens dieses Videos ist, eine Atmo-
sphäre der Bindung an einen Anderen, der erholsamerweise das stete wiedergekäute 
ironisch-stilisierte ewige Scheitern von Beziehungen fehlt, ohne irgendetwas Gegenteiliges 
zu beschwören. Das Video ist so schön, weil es Wert legt auf etwas und dem uns allen 
vertrauten steten drängenden und leidhaften Sich-Beziehen mit Wunsch und Wollen eine 
Stimmung der Nachgiebigkeit und Milde verleiht. Etwas, das sich eher hinter Fassaden
verbirgt. Ein Wollen zum Anderen ist verletzbar und in dem Sinne eine Schwäche, die man
meistens hinter Fassaden verbirgt. Die Stimme aus dem Off, der Text und das Bild, gehen 
die Verbindung einer Innerlichkeit ein. Es hat das Stille in der Sprache des fühlenden Ichs, 
dem das Filmische einen Raum gibt in das stumme Geheimnis hinter den Fenstern.