Thomas W. Rieger: Verstehendes Sehen / eine Übung vor Originalen
[Erschienen in: Thyra Schmidt _ I can’t just be nowhere, extra Verlag 2010.]

Oslo. Im Winter. Kalendarisch beinahe schon Frühling. (Warum gibt es eigentlich keinen 
Spät-Winter oder Früh-Frühling?) Die Minusgrade jedoch und der schwache, aber stetige
Nordostwind deuten auf eine Nachspielzeit des Winters. Mühsam stirbt der Schnee. 
Auf wärmende Sonne wird zu warten sein, lange noch. Harmonie der Fehler. 
Im Moment – ONLY THE PRESENT MOMENT – führt der Weg die Grønland entlang. 
Den Grønland? Das? Selbst Kyrillisch erscheint vertrauter. Sprache ist mehr als Blut. 
Die Dattera Bar verspricht »Adult Oriented Rock« und »Horisontal Mambo«. Sympathisch. 
Der Americano auch. Kyllingburger: viel versprechend. Später, vielleicht. Everything Is
Going To Be Alright.

(1) »Der Schweiß perlte über seinen herrlichen Mund, den er herb geschlossen hielt.«  
An der Fassade des Goethe-Instituts ein Plakat von beunruhigender Schlichtheit. 
Die großformatige Fotografie auf der angrenzenden Giebelwand gibt sich als zugehörig 
zu erkennen. Der Text: Bettine von Arnim über Goethe. Man hat sich vorab informiert. 
Dennoch ganz und gar ungewöhnlich. »Gewaltige Schwätzerin«, sagt Crabb Robinson 
wenig schmeichelnd über die noch junge Bettine. Früh verwaist. Zitate aus ihren Briefen 
an den hoch verehrten Dichterfürsten verwendet dieser in seinen Sonetten – an eine andere 
Frau. Bild und Text gehen ein komplexes Spiel ein, das sich nicht unbedingt sofort erschließt. 
Sich vielleicht gar nicht erschließen lässt. Nicht erschlossen werden will. Ein Reservoir
an Sinn, dessen Grund nicht geahnt werden mag. Höchste Präsenz, tiefste Verborgenheit. 
Aus Ludwig Tiecks Umfeld wird über Bettine berichtet, »daß sie schon am frühen Morgen 
in wunderlichem Aufzug durch die Straßen und den Leuten ins Haus gelaufen und nicht 
wieder wegzubringen gewesen sei.« Beethovens »Sonett an Bettine«, heißt es, stamme nicht 
vom Meister, sondern von ihr selbst. »Tollhäusler« nennt Goethe die Arnims. 1830 trägt er 
in sein Tagebuch ein: »Frau von Arnims Zudringlichkeit abgewiesen.« Don’t be silly.
You’re not ugly. 

(2) »Aber ich hatte ihm nichts zu sagen. Dass ich mich nach ihm sehne.« 
Bis zum Glas Magasinet wird es etwa ein Fußweg von einer halben Stunde sein. 
An der Sentralstasjon vorbei. Bronzetiger. Oslo, die »Tiger City«. Klingt asiatisch. 
Dabei ist der Ausländeranteil hier eher niedrig. Die meisten davon sollen eh’ Skandinavier 
sein. Mode wie in Hamburg. Skianzüge am Hans-Albers-Platz. Hätte mehr Helly Hansen
erwartet. Das Glas Magasinet hat etwas Festungsartiges. Postmodern, versteht sich. 
Verteidigt an die dreißig Filialisten gegen die Straße. Der Plan gilt auch für die heimischen
Konsumtempel. Beinahe jedenfalls. IT SERVES YOU RIGHT. Text und Fotografie teilen 
sich ein großes Plakat. Etwa so, wie man es von Baldessari-Arbeiten kennt. Vielleicht auch 
bei Sophie Calle. Ed Ruscha. Iconic turn, linguistic turn? Nein, die Mélange, die Dialektik 
macht’s. Allein die visuelle Erfahrung hilft da wenig. Multiple meaning. Language is not
transparent. Poetisch, ohne wirklich eine Geschichte zu erzählen. If words are used, and
they proceed from ideas about art, then they are art and not literature; numbers are not
mathematics. Der Text stammt von Christoph Hein. »Der fremde Freund« ist in der Tat ein
deutsch-deutsches Werk. Musste im Westen unter dem Titel »Drachenblut« erscheinen. 
Entfremdung, Distanz, Kühle. Ich kann mich nicht erinnern, unter welchem Titel ich es 
seinerzeit gelesen hatte. Die Hauptfigur litt (wenn man das so sagen kann) unter einer 
Fotografie-Obsession. Es geht mir gut. Hein selbst pflegt ganz absonderliche Pseudonyme:
Kurisutofu Hain, Kristof Chajn … (Gilt das noch als Pseudonym?) Das »bestechend 
Unbestechliche« an Hein sei seine Sprache, heißt es in einer Rezension seiner Essays in 
der Süddeutschen. Seine Romanfigur Paula Trousseau resümiert ihr Scheitern, ihre rasende 
Einsamkeit: »Ich wünschte, ich wäre nur irgendein Mädchen gewesen, nicht hübsch, nicht 
begabt und vor allem ohne Träume.« MY WALKING SPEED 2.8 MILES AN HOUR
(THE ROTATION SPEED OF THE EARTH IN ENGLAND 700 miles an hour). 

(3) »da wir befangen und wohl auch ängstlich waren, gingen wir schnell und 
sprachen sehr laut miteinander« / »sahen sich an und wussten nicht weiter,
saßen allein und sprachen kein Wort«  
A Heap of Language. Bedauerlich, dass sich zwei Projekte in der Osterhaus gate und
Hausmanns gate nicht realisieren ließen. Will mir die Orte dennoch ansehen. Folgt 
man der Torggata über den Ring, erreicht man – vorbei an der Rockefeller Music Hall 
(immerhin spielen hier die Tindersticks und Daniel Johnston – wenn er denn auftritt 
und die Dosis Psychopharmaka reicht, ihn während des Konzerts bei Bewusstsein zu 
halten. The Sorry Entertainer) – die Osterhaus gate nach einigen Minuten. I’m going to
the funeral / And I’m never coming back. Die Gegend würde man eher dem nicht so 
schicken Osten Oslos zuschlagen. Das legendäre Hornaas Musikk liegt direkt um die Ecke 
(falls mal ein Bul Bul Tarang, ein indisches Harmonium oder ein Zero Sette angeschafft 
werden soll). Musikalienhandel in der dritten Generation. Wer eine Jazzgitarre von 
Rudi Kreul aus Markneukirchen/DDR sucht, könnte hier fündig werden. Hornaas junior
holte den republikflüchtigen Kreul nach Oslo und machte den Instrumentenbauer zum 
Mitinhaber. Das Gebäude Ecke Calmeyers wirkt eher wie ein Ruinenstumpf. Eins Komma 
noch was Etagen. Von links gelesen hätte die Staccato-Abfolge von Künstlertexten, 
Fenstern, schon vorhandenen Werbeflächen und Verkehrsschildern eine wunderbare 
Partitur ergeben. Cornelius Cardew. Berio. Grafische Notation. 

(4) »and I can’t just be nowhere« 
Auf dem Weg zum Botanischen Garten liegt die Lakkegata. Das kleine gelbe Haus steht 
leer. Gerade mit frischem Fassadenanstrich versehen, blättert das Gelb im Sockelbereich 
schon wieder ab. Die Mieter haben aufgegeben, scheinbar. Das Haus ist besetzt. 
Irgendwohin muss man ja. Anders jedoch als auf den Bauträger-Lyrik-Schildern (»Hier 
entsteht ein Apartment-Hochhaus – nach dem Ableben der alten Dame.«) annonciert das 
Transparent ein Jon Fosse-Zitat. Ist das Nynorsk, Bokmål oder Høgnorsk? Würde zum 
politischen Kontext des Transparents an sich passen. Tausend Jahre Dänisch haben ihre 
Spuren auch in der Sprache hinterlassen. Klemperer, schon wieder. Fosses »Melancholie« – 
gibt es eine minimal literature? – berichtet vom norwegischen Landschaftsmaler Hertervig. 
Der hat tatsächlich gelebt, in Düsseldorf studiert und mit »Borgøya« vielleicht eines der 
schönsten Landschaftsbilder der Romantik geschaffen. In Anfällen von Schizophrenie 
beschreibt Hertervig, wie sich das Licht verdunkelt, wie die Dunkelheit leuchtet. 
I See A Darkness. Von Freuds »Verlust der Liebesfähigkeit« bis zum drohenden Suizid 
ist’s dann auch nicht mehr weit. Schwarze Sonne. Musik und Poesie allerdings gelten als
mögliche Therapien. THERE WILL BE NO MIRACLES HERE.

(5) »Meine Liebe steht Dir.« 
Zur Markveien gelangt man am besten quer durch Grünerløkka – den Prenzlauer Berg von 
Oslo. Das Café Mir im Lufthavn öffnet leider erst am späten Nachmittag. Markveien Frisør 
und Markveien Kiosk müssen sich das Zitat nach Novalis teilen. Gütlich. Kryptisch. 
The Harder You Look The Harder You Look. Wenige von Novalis’ Zeitgenossen haben 
derart vehement nach einer Zusammenschau von Poesie, Künsten und Naturwissenschaften 
gestrebt. Romantische Universalpoesie. Erleben und Erdichten sind eins. Man nimmt an,
die Prosa sei der Realität näher als die Poesie. Ich halte das für einen Irrtum. 
Eichendorffs »Schläft ein Lied in allen Dingen«. Novalis’ Wünschelrute weist den Weg in 
eine höhere Wirklichkeit. Reality is only in our dreams. A Particular Emotion Transmitted
Telepathically. Im Hause residiert Sound of Mu. Open Mike. Erinnert an Arlene’s Grocery. 
Für Bands steht eine komplette Bühne zur Verfügung, die Abendeinnahmen gehen komplett 
an die Musiker. Keine Abzüge. Außerdem gibt’s Kunstausstellungen, Buchlesungen und ein 
fiktives Kasino. Synästhetik? Na, wie auch immer. 

(6) »Ich lachte laut auf, küsste sie und sagte, sie solle von mir denken, was sie wolle.« 
Cortado im Kafé Kaos. Beeindruckende Cocktail-Karte. Portrait der Künstlerin an einer 
Fassade, die grau zu nennen an Euphorie grenzen würde. Tragik und Schönheit unserer 
Existenz. Grau ist beharrlich. Allerdings ist Grau ein perfekter Hintergrund. Die Maler 
haben früher ihre Ateliers grau tapeziert oder gestrichen. Die Farben singen im Grau. 
Das Portrait sagt: Ich bin auf alles eingerichtet, ich bin gegen alles gewappnet, mich wird 
nichts mehr verletzen. Denk doch, was du willst. Hauptsache: Distanz. Splendid Isolation.
I want to be like Georgia O’Keefe. Christoph Hein charakterisiert das gesamte moderne 
Leben als eine einzige Verdrängungsleistung: Das Zusammenleben von Menschen war nur
zu erreichen, indem bestimmte Gefühle und Triebe unterdrückt wurden. Das Drachenblut 
der, wie auch immer, konstruierten Identität bietet nur vagen Schutz: Und ich bin der festen
Überzeugung, es ist der sicherste Weg, verrückt zu werden, wenn man erst einmal anfängt
zu ergründen, wer man eigentlich ist. 

(7) »Ich will glücklicher werden als Du. – Darauf hatte sie nur gelacht und ja gesagt.« 
Der Text am kleinen Haus in der Thorvald Meyers gate fällt beinahe gar nicht auf. 
Straßenabgewandte Giebelseite. Kunst im öffentlichen Raum. Aber gerade noch so. 
The aesthetic function of public art is to codify social distinctions as natural ones. 
Thomas Bernhard hätte geschossen. Denken heißt Scheitern, sagt er. Die deutschen Wörter
hängen wie Bleigewichte an der deutschen Sprache. Das deutsche Denken und das deutsche
Sprechen erlahmen sehr schnell unter der menschenunwürdigen Last seiner Sprache. 
Das Foto fehlt, nur Text. Die gleiche Skepsis dem fotografischen Abbild gegenüber: 
Die Fotografie ist eine heimtückische perverse Fälschung, jede Fotografie, gleich von wem
sie fotografiert ist, gleich, wen sie darstellt, sie ist eine absolute Verletzung der Menschenwürde,
eine ungeheuerliche Naturverfälschung. Bernhard hätte geschossen. Jedenfalls kein Foto.
Hagenbuch, so wird berichtet, hat jetzt zugegeben, er wurde einfach aus dem Kirchenlexikon
gelöscht. Die Auslöschung der Erinnerung durch Flucht. Nach Rom. Oder Oslo. 
Das Glück belebt die kleinsten Teile des Universums: das Funkeln der Sterne ist seine Kraft,
eine Feldblume sein Zauberspruch. Bataille, der Maulwurf, als Glücksucher. Er, der glaubte, 
die Menschen können ihr Glück nicht ertragen, können nicht kreativ in Kategorien von Luxus
und Verschwendung denken, sieht die wahre Produktivität, die wahre Kunst in der »nutzlosen
Konsumption«. Findet mich das Glück? Learn to recognise / Where the joy lies. Die munteren
Kritzeleien von Fischli/Weiss stehen in so herrlichem Gegensatz zum Miniatur-Epitaph des 
Buchlayouts. Perfekte Erlösung: Wir müssen das Glück gar nicht mehr suchen. Es findet uns, 
vielleicht. Ein Camouflage-Umschlag wäre auch passend gewesen. 
Die Kulturkirken Jakob auf der Hausmanns gate ist ein Phänomen. Seit den frühen 1970ern 
arbeitet man hier an der Auflösung von Grenzen – musikalischen, ideologischen. »Lullabies from 
the Axis of Evil«, Wiegenlieder aus dem Iran, aus Nordkorea, Palästina und Kuba. Produziert in 
Oslo. Schönes Mitbringsel. Glücksfall. Auch das Café Sara gegenüber. Du fühlst Dich, als wenn
Dir jemand ein Geheimnis anvertraut hätte, das der Schlüssel zur Lösung eines Mysteriums ist. 
Der Schlüssel des Glücks. Ausgerechnet hier. 

(8) »überlege, wo ich mich am besten verkriechen könnte, werde so stark von dieser Frage 
in Anspruch genommen, dass ich mitten in der Straße still stehe« 
Don’t Turn Me Inside Out. Das, ähm, Gebäude (?) in der Hausmanns gate kann bestenfalls als
vorübergehende Lückenschließung durchgehen. Der weiße Rolltor-Schleier gibt den Blick auf 
einen nicht minder unbeeindruckenden Hof frei. Die benachbarten Bauten erinnern zumindest 
an einen irgendwann mal existenten skandinavischen Klassizismus. Fremdkörper. 
Obgleich immer auf der Flucht vor der Enge Norwegens, hatte Knut Hamsun im Ausland doch 
nie wirklich Fuß fassen können. Weder in San Francisco, noch in Paris. Nicht in Persien und 
nicht in Russland. Ein Ausländer des Daseins, wie er seinen Protagonisten der »Mysterien«
nennt. Die Belanglosigkeiten seines Lebens notiert Hamsun, wegen Kollaboration nach 1945 
unter Hausarrest gestellt und durch psychiatrische Behandlung gedemütigt, in »Auf überwachsenen 
Pfaden« in einem stoischen, fast heiteren Grundton. The Invention of Today is my only Way of
Establishing the Future. Hamsuns »Hunger« lässt sich ebenso gut als Geschichte einer emotionalen, 
seelischen, geistigen Mangelerscheinung lesen. Ein ausgehungerter, »moderner« Mensch, der 
seinen Mangel weder mitteilen kann, noch möchte. Unable to deliver, unable to understand the
deliver of shiver. Kann Sprache das ausdrücken? In seinem Aufsatz »Vom unbewussten
Seelenleben« bezweifelt Hamsun das. Amplitudenausschläge von fein ziselierter, beinahe 
übersinnlicher Wahrnehmung und totaler Bewusstlosigkeit wechseln ständig. 
Together we’re gonna wait around and die. 

(9) »Als ich in den Raum trat, wusste ich, warum ich gekommen war.« 
(10) »sie sieht ihn an und verwirrt bleibt er stehen« 
Als Peter Høeg seinen Roman »Das stille Mädchen« veröffentlicht, beschließt er etwa 
gleichzeitig, keine Verfilmungen seiner Romane mehr zuzulassen. An Julia Ormond 
kann es nicht gelegen haben. Bei der Lokalisierung rasanter Jagden durch Kopenhagen, 
die den Plot häufig ohne zu Blinken rechts überholen, erweisen sich die beigefügten Karten 
nicht eben als hilfreich. Reisen im Archipel der Unbestimmtheit. Mit GPS. Stelle mir das Buch
als Computerspiel vor: Grand Theft Story 3. Paul Auster und Sophie Calle auf der Flucht durch 
die Straßenschluchten von Gotham. Oder Göteborg. Das große Plakat auf der mit Glasbändern
akzentuierten Klinkerfassade könnte auch Werbeträger für eine Aktion der Oslo Kommune sein: 
Pimp Our City, oder so. Aufgeräumt, beinahe idyllisch. Die fragmentierten Körper ließen sich
problemlos ergänzen. In Høegs Von der Liebe und ihren Bedingungen in der Nacht des 19. März
1929 stehen die Protagonisten in unterschiedlichsten Gegenden der Welt – Dänemark, Portugal, 
Afrika, Indien (vieles davon gespeist von autobiographischen Erfahrungen) – dem Phänomen 
einer grenzenlosen Liebe gegenüber. Gedehnte Gegenwart. Nicht Traum, nicht Wirklichkeit.
Kann man davon sprechen? Don’t want a serious conversation / I want to talk about love. 
Wie lässt sich die Erotik eines kurzen Moments, auf einer schattigen Wiese, auf dem 
sonnenwarmen Teppich, in Worte gießen. The more I talk about it, the less I do control. 
Also, Flucht ins Vage. Metaphysik. In allen Fällen, in denen Endgültigkeit vermutet wird,
bevorzugt die Phantasie (oder die Wünsche) das Ungefähre.

(11) »und sie bleibt stehen in seinem Licht, in etwas, das sie ganz erfüllt« 
Die Gegend wird nicht unbedingt lauschiger – abgerissene Plakate, Graffitis, Pochoirs, Tags, 
ausgediente Container, Industriearchitektur – auf dem Weg zur letzten Station. An einem Tor, 
zusammengebastelt aus ein paar Rüstrohren, hängt eine leicht überlebensgroße Trollpuppe (?) 
im Gandalf-Outfit. Heavy Metal-Totem? I can’t even tell you what is real. Das »Hausmania« 
ist ein Kulturhaus in Selbstverwaltung. Studios für Künstler, Proberäume für Musiker, Theater, 
Internet-Café, Bibliothek. Squatting Utopia. Unweit davon der ROM for Kunst og Arkitektur. 
Geradezu eleganter Schwung der Fassade. Nicht eben Erich Mendelsohn, aber gut. Hätte ich 
hier nicht erwartet. Wieder Jon Fosse. Auf der Fotografie wird das Portrait einer jungen Frau 
von üppigen Grünpflanzen mehr verhüllt als gezeigt. Fosse, der Existenzialist. Kreist um das 
Nicht-Sagbare. Amour fou. Große Emotionen werden im Flüsterton vorgetragen. »Meine Stücke 
bestehen aus leerem Gerede, das mit Emotionen aufgeladen ist«, sagt der Autor. 
Fosses »Die Nacht singt ihre Lieder« spielt an nur einem Tag. Und doch scheint der auf eine 
ganze Ewigkeit gedehnt. Selbst das Licht wird gedehnt – bis zur Dunkelheit. »Eine Dunkelheit, 
die leuchtet, eine leuchtende Dunkelheit irgendwie«, erinnert die Schwester des Malers Hertervig 
in Fosses »Melancholie« die schwarzen Wolkenbilder ihres kleinen Bruders. 
TAKEN TO A POINT IN SPACE (PLACE) --- (SOMETIME). Spät geworden. 
Evening Time Is Reading Time.

(1–11): Die Textfragmente in den Plakatarbeiten von Thyra Schmidt bestehen aus 
von ihr verfassten Zeilen sowie aus reinen und veränderten Zitaten nach in diesem 
Essay erwähnten Autoren.

Die »citations flottantes«, die Text-Sprengsel von Kunstwerken und der Soundtrack
(im Text alle jeweils unterstrichen) stammen – in der Reihenfolge ihres Auftritts – von: 
Josef Reding (Mühsam stirbt der Schnee, 1980), Francis Ponge (Schreibpraktiken oder Die stete 
Unfertigkeit, 1988), Victor Burgin (Any Moment, 1970), Victor Klemperer (LTI, 1947), Martin 
Creed (Work No 203, 1999), Jean Arrouye (Archäologie der Ikonologie, in: Die Lesbarkeit der 
Kunst, 1992), Ken Lum (Don’t be silly, 1993), Lassie Singers (Hamburg), John Baldessari (Goya 
Series: IT SERVES YOU RIGHT, 1997), Mel Bochner (Language Is Not Transparent, 1970), 
Sol LeWitt (Sentences on Conceptual Art, 1969), Christoph Hein (Der fremde Freund, 1982), 
Richard Long (Speed of the Sound of Loneliness, 1998), Robert Smithson (A Heap of Language,
1966), Daniel Johnston (Funeral Home), Bonnie Prince Billy (I See A Darkness), Julia Kristeva 
(Schwarze Sonne. Depression und Melancholie, 2007), Nathan Coley (There Will Be …, 2006), 
Christopher Wool (Untitled, 2000), Jorge Luis Borges (Die Dichtung, in: Die letzte Reise des 
Odysseus, 1992), Charles Baudelaire (Les Paradis Artificiels, 1860), Robert Barry (A Secret 
Desire …, 1969–2009), Derek Jarman (Chroma, 1995), Christoph Hein (Drachenblut, 1982), 
Warren Zevon (Splendid Isolation), FREEE (Strategic Question #31, The aesthetic function ...,
2005), Thomas Bernhard (Auslöschung. Ein Zerfall, 1986), Georges Bataille (Ein wenig später,
in: Das obszöne Werk, 1977), Hanns-Dieter Hüsch (Hagenbuch hat jetzt zugegeben, 1979), 
Georges Bataille (Die Aufhebung der Ökonomie, 2001), Fischli & Weiss (Findet mich das Glück?,
2002), Tindersticks (Don’t Ever Get Tired), Marina Martinelli (Virtual Tourist, 2009), Michail 
Sostschenko (Schlüssel des Glücks, 1982), Barbara Kruger (Untitled, 2008), Knut Hamsun 
(Mysterien, 1892), Roni Horn (Agua Viva, 2004), Giant Sand (Shiver), Townes Van Zandt 
(Waiting Around To Die), Umberto Eco (Die unbestimmte Geographie des Corto Maltese,
in: Lüge und Ironie, 1998), Peter Høeg (Das stille Mädchen, 2008; Von der Liebe und ihren 
Bedingungen in der Nacht des 19. März 1929, 1998), Alexander Kluge (Der Angriff der 
Gegenwart auf die übrigeZeit, 1985), Lullaby for the Working Class (Contract, Expand), 
Deep Purple (Talk About Love), Phoenix (Everything Is Everything), Alexander Kluge (op.cit.), 
Jon Fosse (Melancholie, 2001), Lawrence Weiner (SOMETIME, SOMEPLACE, SOMEHOW,
1990), Allen Ruppersberg (Evening Time is Reading Time, 1991).